Forwarded from Deutsche Dichter und Denker
Meine Sonnenwende
Leuchtend einst in hehrer Klarheit
Sah ich eine Sonne geh'n,
Bilder ew'ger Wunderbarheit
Sah ich schimmernd mich umsteh'n;
Gold'ne Blüthen sah ich hangen
Aus dem blauen Aethermeer
Und in rothem Feuer prangen
Sah' ich Berge, riesig hehr.
Meine Linke hielt umschlungen
Eine Himmelstochter hold,
Meine Rechte hoch, geschwungen
Einen Zauberstab von Gold;
Ungemeine Tage zogen
Aus der Zeiten Schoos hervor
Und in's Ungemess'ne flogen
Die Gedanken stolz empor.
Aber Sonnwendfeuer glühen
Von den Bergen heut' in's Land;
Gold'ne Abendfunken sprühen
An des Dämmerhimmels Rand;
Schimmernde Gestalten stiegen
Hin und kehren nimmermehr,
Leise ferne Lieder wiegen
Sich im Düster hin und her.
Von dem höchsten Wolkenthrone
Führt nur thalab mehr der Pfad;
Auch dem reichsten Erdensohne
Raucht der Zeiten saufend Rad;
Auch das Licht, es hat sein Ende
Und die höchste Blüthe fällt:
Kommen muß die Sonnenwende
Lebewohl, du Lenz der Welt!
-Max Haushofer-
https://news.1rj.ru/str/deutschedichter
Leuchtend einst in hehrer Klarheit
Sah ich eine Sonne geh'n,
Bilder ew'ger Wunderbarheit
Sah ich schimmernd mich umsteh'n;
Gold'ne Blüthen sah ich hangen
Aus dem blauen Aethermeer
Und in rothem Feuer prangen
Sah' ich Berge, riesig hehr.
Meine Linke hielt umschlungen
Eine Himmelstochter hold,
Meine Rechte hoch, geschwungen
Einen Zauberstab von Gold;
Ungemeine Tage zogen
Aus der Zeiten Schoos hervor
Und in's Ungemess'ne flogen
Die Gedanken stolz empor.
Aber Sonnwendfeuer glühen
Von den Bergen heut' in's Land;
Gold'ne Abendfunken sprühen
An des Dämmerhimmels Rand;
Schimmernde Gestalten stiegen
Hin und kehren nimmermehr,
Leise ferne Lieder wiegen
Sich im Düster hin und her.
Von dem höchsten Wolkenthrone
Führt nur thalab mehr der Pfad;
Auch dem reichsten Erdensohne
Raucht der Zeiten saufend Rad;
Auch das Licht, es hat sein Ende
Und die höchste Blüthe fällt:
Kommen muß die Sonnenwende
Lebewohl, du Lenz der Welt!
-Max Haushofer-
https://news.1rj.ru/str/deutschedichter