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Medien und Kompetenz Russland, Belarus und zum Krieg in der Ukraine - ohne Paywall

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Heute um 20.00 liest dekoder-Redakteur Julian Hans in der Stadtbibliothek in Leipzig aus seinem neuen Buch „Kinder der Gewalt”. In fünf Verbrechen beobachtet er Gewaltstrukturen in Russland.

Ihr könnt es gewinnen – als dekoder-Klubmitglieder und einer kurzen Rückmeldung bis Sonntag an klub@dekoder.org seid ihr dabei.

Ihr seid noch nicht im Klub? Dann werdet schnell Mitglied und nehmt auch an der Verlosung teil. Dabeisein ist alles und Gutes Unterstützen erst Recht!

👉https://www.dekoder.org/de/klub
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Heute begehen viele oppositionelle Belarussen im Exil einen bedeutenden inoffiziellen Feiertag: den Tag der Freiheit, oder: Dsen Woli. Mit dem Protestsymbol, der weiß-rot-weißen Fahne, demonstrieren sie für ein unabhängiges und offenes Belarus.

Warum ausgerechnet heute?
Weil am 25. März vor 106 Jahren die Belarussische Volksrepublik (BNR) ausgerufen wurde – der erste belarussische Staat, der aber nur für kurze Zeit existierte.

Dennoch spielt er eine wichtige Rolle für die belarussische Unabhängigkeitsbewegung, was sich nicht zuletzt bei den Protesten im Jahr 2020 zeigte.

Mehr über das erste moderne Staatsprojekt auf dem Gebiet der heutigen Republik Belarus und seiner Bedeutung in unserer Gnose (Archiv-Text):

https://www.dekoder.org/de/gnose/die-belarussische-volksrepublik
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Beim Terroranschlag in der Crocus City Hall bei Moskau töten bewaffnete Männer mindestens 137 Menschen. Am Sonntag, zwei Tage nach dem Anschlag, werden vier der mutmaßlichen Täter dem Moskauer Basmanny-Gericht vorgeführt. Alle tragen offensichtliche Spuren von Misshandlung: Blutergüsse, Schürfwunden, Schwellungen. Darüber, wie die Wunden zustandegekommen sind, kursieren auf Telegram Aufnahmen brutaler Gewalt und Folter.

Was die zur Schau gestellte Brutalität bedeutet und was sie über den russischen Staat verrät, analysiert der Politologie Kirill Rogow in einem Kurzkommentar auf Facebook:

https://www.dekoder.org/de/article/crocus-city-hall-anschlag-terror-gewalt

Weiterführende Leseempfehlung aus der Redaktion:
„Trauer mit Bombern“ von Novaya Gazeta Europe, übersetzbar etwa mit Google Translate: https://www.dekoder.org/de/article/krieg-ukraine-aktuelle-leseempfehlungen
„Es gibt eine Lücke in der Berichterstattung über den Krieg: Sie konzentriert sich auf die Raketenangriffe auf Kyjiw und andere große Städte oder auf die Frontbewegungen. Das Leben der Menschen in dem großen Raum dazwischen wird oft vergessen.”

Der Fotograf Mykhaylo Palinchak war abseits der Großstädte unterwegs.
Dort hat er die kurzen Augenblicke von Normalität und Alltag in den ehemaligen Frontgebieten eingefangen.
Mit dekoder spricht er über die Entstehungsgeschichte seiner Bilder:

https://www.dekoder.org/de/article/bilder-krieg-ukraine-mykhaylo-palinchak

Foto: Mykhaylo Palinchak
Bildredaktion und Konzept: Andy Heller

Bild 1: Ein kurzer Augenblick von Normalität und kindlicher Leichtigkeit im Alltag eines ukrainischen Soldaten nahe der Front im Gebiet Donezk.
Bild 2: Ein Hund pinkelt an einen Blindgänger eines russischen Grad-Raketenwerfers. Der Ort wurde im September 2022 befreit, die Spuren des Krieges sind immer noch allgegenwärtig.
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Leseempfehlung: 300.000 neue Soldaten für die Belagerung von Charkiw

Das russische Verteidigungsministerium plant, mindestens 300.000 neue Soldaten für den Kampf in der Ukraine zu rekrutieren. Das hat Verstka von vier verschiedenen Informanten aus der Präsidialadministration, regionalen Regierungen sowie von einem hochrangigen Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums erfahren, die nicht namentlich genannt werden. Das Hauptaugenmerk soll dabei zunächst auf Reservisten liegen, von denen es in Russland laut Verstka etwa zwei Millionen gibt. Ferner sollen Wehrdienstleistende dazu gedrängt werden, als Vertragssoldaten weiter zu machen. Grund dafür sei der allmählich versiegende Zufluss derer, die sich für einen Kriegseinsatz in der Ukraine entscheiden. Die Gesprächspartner von Verstka nennen die Vorbereitungen zur neuen Einberufung im Frühjahr hinter vorgehaltener Hand eine „Mobilmachung 2.0“. Die neu rekrutierten Soldaten sollen an die Südgrenze Russlands verlegt werden, sodass die dort im Einsatz befindlichen erfahrenen Soldaten frei werden: für einen neuen Angriff auf die ostukrainische Stadt Charkiw.

👉 Original (vom 22.03.2024)

👉 Übersetzung mit Google Translate
Putin macht die ukrainische Regierung für den Terroranschlag in der Crocus City Hall verantwortlich. Das sagte er etwa am Montag in einer Videokonferenz mit Regierungsmitgliedern und Leitern der Sicherheitsbehörden. Zwar seien die Täter radikale Islamisten – die Hintermänner sieht er aber in Kyjiw und Washington. Auch russische Staatsmedien wiederholen diese Theorie der „ukrainischen Spur“.

Terrorismusexpert*innen halten diese These für absurd. So auch Ruslan Lewijew, Gründer des unabhängigen Recherchenetzwerks Conflict Intelligence Team (CIT):
Im Interview erklärt er, warum der Islamische Staat durchaus Motive für Anschläge in Russland hat, warum Putin die Warnungen vor einem bevorstehenden Terroranschlag ignorierte – und was in Zukunft zu erwarten sei:

https://www.dekoder.org/de/article/putin-terror-crocus-city-hall-syrien-ukraine-cit
Leseempfehlung: Ein Konflikt, bei dem es um die Zukunft von Belarus geht (Pozirk)

Der 25. März ist ein bedeutender inoffizieller Feiertag der belarussischen Opposition. Er geht zurück auf die Ausrufung der Belarussischen Volksrepublik (BNR) an eben jenem Tag im Jahr 1918 in Minsk. Es war das erste moderne belarussische Staatsprojekt. Auch wenn es nur neun Monate überlebte, spielt es für die belarussische Unabhängigkeitsbewegung eine enorme Bedeutung. Gerade heute – in einer Zeit, in der das System Lukaschenko diese mit Gewalt und Repressionen zu unterdrücken versucht.

Aus Anlass des diesjährigen Feiertags widmet sich der belarussische Journalist Alexander Klaskowski in einem Text für das Online-Medium Pozirk dem Dsen Woli, dessen Geschichte er rekapituliert. Dabei weist er darauf hin, dass die Belarussen zurzeit der BSSR nichts von diesem Tag wussten, dass dieser vor allem von der damaligen belarussischen Diaspora begangen wurde. Mit der Unabhängigkeitserklärung 1991 aber wurden die weiß-rot-weiße Flagge der einstigen BNR und das Wappen Pahonja zu den Staatssymbolen der Republik Belarus, 1995 schließlich wieder abgeschafft von Lukaschenko, der mit der Einführung der bis heute gültigen Flagge seinen neosowjetischen Kurs betonte. Danach blieben die Farben vor allem ein Symbol der oppositionellen Nationalbewegung. Dann, mit den Protesten von 2020, wurde die weiß-rot-weiße Fahne zum Symbol einer neuen Demokratiebewegung. Klaskowski: „Das Paradoxe daran war, dass sich die Nationalisten der alten Schule aus verschiedenen Gründen nicht an dieser Wahlkampagne beteiligten, und das Team von Swetlana Tichanowskaja warb überhaupt nicht für die weiß-rot-weiße-Symbolik. Wahrscheinlich spielten sowohl die langjährige Aufklärungsarbeit der alten, ideologischen Opposition als auch die einfache Ästhetik der Symbolik selbst eine Rolle. Sie war ein starker Kontrast zu den offiziellen Symbolen des Regimes, ein ausdrucksstarkes Zeichen für eine politische Alternative.“

Lukaschenko hat die Protestsymbolik verbieten lassen und unter Strafe gestellt. Zudem versucht das System, die BNR-Narrative im Land selbst auszumerzen, sie umzudeuten, stattdessen das Russische Imperium und die Sowjetunion als Förderer der belarussischen Eigenstaatlichkeit zu betonen. „Die intensive Debatte um den Dsen Woli ist ein Konflikt“, schreibt Klaskowski, „bei dem es weniger um die Geschichte als um die Zukunft von Belarus geht. Und es ist nicht nur ein Konflikt, sondern ein grausamer Kampf zwischen zwei Projekten. Das eine ist ein fehlerhaftes Projekt der Bindung an das Imperium, das das Land durch Degradierung und Verlust der Unabhängigkeit bedroht. Das zweite ist das Projekt eines demokratischen, den europäischen Werten verpflichteten und wahrhaft belarussischen Belarus.“

👉 Original (vom 25.03.2023)

👉 Übersetzung mit Google Translate
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Die Razzia als ultimative Performance

Mitte März durchsuchten Polizei und Geheimdienst die Wohnungen von Künstlerinnen und Künstlern in mehreren russischen Städten. Angeblich suchten sie nach Verbindungen zu Pjotr Wersilow. Der Mitgründer von Pussy Riot wurde wegen Verbreitung von „Fakes über die russische Armee“ zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Er lebt aber längst im Ausland.

Warum fürchtet das Regime ausgerechnet die Kunst so sehr?, fragt sich die Novaya Gazeta.

👉 https://www.dekoder.org/de/article/kunst-razzien-wersilow-nenaschewa-philippenzo
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Polen ist Belarus nicht nur geographisch nahe, sondern auch kulturhistorisch – und das, obwohl die beiden Staaten nach dem Fall des Eisernen Vorhangs politisch getrennte Wege gingen.

Das Ausmaß der Repressionen in Belarus scheint jedoch selbst für seine Nachbarn unbegreiflich zu bleiben. Der belarussische Journalist und Autor Sewjaryn Kwjatkouski kommentiert seine Beobachtungen über die Vorgänge in Belarus und seine Beziehung zu dem westlich gelegenen Nachbarn auf der Online-Plattform Nowy Tschas:

👉 https://www.dekoder.org/de/article/belarus-zivilgesellschaft-polen-repressionen
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Leseempfehlung: „Wir dürfen nicht in die Auge-um-Auge-Logik abrutschen“ (Mediazona)

Sergej Babinez, der Vorsitzende des Teams gegen Folter, spricht im Interview mit Mediazona über die Zunahme von Folter seit 2022 und warum Staatsbedienstete neuerdings öffentlich mit Folter prahlen.

👉 russisches Original (vom 25.03.2024)
👉 englische Version
👉 Übersetzung mit Google Translate
Während der Proteste im Jahr 2020 spricht sich ein großer Teil des medizinischen Personals in Belarus gegen die körperliche Gewalt aus, deren Spuren sie tagtäglich behandeln müssen.

Kurz darauf rollt eine Verhaftungswelle durch die medizinischen Einrichtungen des Landes:
Noch heute sitzen Dutzende erfahrene Fachärzte hinter Gittern, viele sind ins Exil geflohen.

Die Journalistin Jana Machowa berichtet, was im belarussischen Gesundheitswesen vor sich geht – und warum vielen Patientinnen und Patienten oft nichts mehr anderes übrig bleibe, als sich selbst zu helfen:

https://www.dekoder.org/de/article/emigration-aerzte-belarus-folgen-gesundheitssystem
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Heute vor zwei Jahren kamen die Gräueltaten von Butscha ans Tageslicht, die russische Soldaten verübt hatten.
Für Grigori Judin war das keinesfalls ein Exzess, sondern eine direkte Konsequenz aus dem Kriegsnarrativ des Kreml:
https://www.dekoder.org/de/article/butscha-kriegsverbrechen-gewalt-entnazifizierung (aus unserem Archiv)
Der berühmte sowjetische Filmemacher Andrei Tarkowski wäre heute 92 Jahre alt geworden.
Zur Feier des Tages holen wir seinen Film „Stalker” als Filmtipp inklusive dekoder-Filmkritik und -Einordnung aus unserem Archiv:
https://www.dekoder.org/de/article/kino-stalker-tarkowski-zone

Weitere sehenswerte Filme Tarkowskis – und was sein Werk so bedeutend macht, kann man in unserer Gnose nachlesen:
https://www.dekoder.org/de/gnose/andrej-tarkowski (auch aus dem Archiv)
Der Mitbegründer der Menschenrechtsorganisation Memorial, Oleg Orlow, muss seinen 71. Geburtstag heute im russischen Straflager verbringen.
Er wurde im Februar wegen angeblicher „Diskreditierung der Armee“ zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.

In seinem Schlusswort vor Gericht hatte er sich so an die „Urheber und Vollstrecker der verfassungsfeindlichen Gesetze“ gewandt:
„Ihre Kinder oder Enkelkinder werden sich schämen, darüber zu sprechen, wo ihre Väter, Mütter, Großväter und Großmütter gearbeitet haben und was sie getan haben. Dasselbe wird diejenigen treffen, die jetzt in der #Ukraine Befehlen gehorchen und damit Verbrechen begehen“:
https://www.dekoder.org/de/article/oleg-orlow-memorial-gericht-schlusswort (aus dem dekoder-Archiv)
Unsere zehnteilige Dokumentationsreihe „Der Krieg und seine Opfer“ geht weiter:
Die zweite Folge erzählt die Geschichte von Nikolaj Nowodarow − einem sowjetischen Offizier, der mehrere mörderische deutsche Lagersysteme erlebt: Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht, Gestapo-Gefängnis, SS-Konzentrationslager Flossenbürg − und versucht, “Sowjetmensch” zu bleiben.

Ein Schicksal zwischen Loyalität zur Sowjetunion, dem eigenen Überlebenskampf, und dem zahlloser anderer Kriegsopfer.
https://war.dekoder.org/de/gefangen-im-krieg

Zusatzinformationen rund ums Thema und die persönliche Geschichte Nowodarows gibt es in kleinen Häppchen auch auf Instagram
https://www.instagram.com/derkriegundseineopfer/

Folgt uns, teilt uns, lasst ein Like da – und wenn Ihr mögt, teilt Eure eigenen Familiengeschichten mit uns!
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Drehbuch und Text: Matthias Kaltenbrunner und Peggy Lohse
Illustrationen: Anna Che
Animationen: Victoriya Spiryagina und Philipp Yarin
Ein Projekt der Bildungsagenda NS-Unrecht, gefördert vom Bundesfinanzministerium und Evzfoundation
In Kooperation mit KZ-Gedenkstätte Flossenbürg.
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Nach der Verlosung ist vor der Verlosung:
dekoder verlost zweimal „Europas Hunde”, den neuen Roman von dekoder-Autor Alhierd Bacharevič, den er auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt hat.

dekoder-Autor Ingo Petz schreibt über dem Roman:
„Können wir wirklich frei sein? Der Erzähler spielt Gott und Teufel und die Figuren schweben und fallen und suchen die großen Themen der Menschheit. ‘Europas Hunde’ ist eine artistischer Roman und ein Kultbuch in Belarus.”

Ihr könnt es jetzt gewinnen – als dekoder-Klubmitglieder und einer kurzen Rückmeldung bis Sonntag, 14.04., an klub@dekoder.org seid ihr dabei.

Ihr seid noch nicht im Klub? Dann werdet noch schnell Mitglied und nehmt auch an der Verlosung teil:

▶️https://www.dekoder.org/de/klub
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Seit tausend Tagen befindet sich der belarussische Menschenrechtsaktivist und Friedensnobelpreisträger Ales Bjaljazki in Haft.
Er wurde im Zuge der Repressionen nach den Protesten 2020 festgenommen und schließlich zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt.

Mehr über Bjaljatski in unserem Beitrag:

https://www.dekoder.org/de/article/ales-bjaljazki-portraet-friedensnobelpreis (aus unserem Archiv)
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Melitopol ist eine der ersten großen Städte, die im Frühjahr 2022 von russischen Truppen besetzt wurden. Seit einem Scheinreferendum des Kremls nur wenige Monate später betrachtet Moskau das Gebiet als Teil Russlands.
Seitdem gilt: Wer die Besatzung ablehnt, soll die Stadt verlassen. Wer nicht freiwillig geht, wird deportiert, bedroht oder gefoltert.

Die Novaya Gazeta Europe hat mit Bewohnerinnen und Bewohnern der Stadt gesprochen. Sie erzählen, was es bedeutet, wenn Russland die Kontrolle über eine besetzte Stadt übernimmt:

https://www.dekoder.org/de/article/melitopol-ukraine-besatzung-deportation
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Wie hilft man Menschen, die nach dem Einsatz an der Front wieder ein ziviles Leben führen wollen? Was brauchen sie, um ihre Erlebnisse verarbeiten zu können?

Während Berufssoldaten nach ihrer Rückkehr meist mit vielen Jahren staatlicher Unterstützung rechnen können, fühlt sich etwa für belarussische Freiwillige, die auf Seiten der Ukraine kämpfen, nach ihrem Einsatz oft niemand mehr zuständig.
Die Redaktion des belarussischen Exilsenders Euroradio hat mit Betroffenen und Organisationen, die sich für sie einsetzen, gesprochen:

https://www.dekoder.org/de/article/belarus-freiwillige-ukraine-krieg-kalinouski-exil
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