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dekoder.org bringt russischen und belarusischen Journalismus und wissenschaftliche Kompetenz aus europäischen Universitäten auf eine gemeinsame Plattform. Hier finden Sie die neusten Beiträge!
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Janka Bryl ist eine der bekanntesten Stimmen der sowjetisch-belarussischen Literatur – und Co-Autor des Buches Feuerdörfer über die NS-Verbrechen in Belarus.
Obwohl er sich zu seiner Zeit nicht offen politisch engagierte, sprechen sich seine Werke aus den 90er Jahren klar für die Unabhängigkeit von Belarus aus.

Doch heute instrumentalisiert sie das Lukaschenko-Regime im Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Mehr über den Schriftsteller, seine wichtigsten Werke – und seinen Einfluss auf Literatur, Gesellschaft und Politik in Belarus findet ihr in unserer Gnose, geschrieben von Philine Bickhardt vom Slavischen Seminar der Universität Zürich.
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In Russland gibt es mehr als einen Femizid pro Tag plus Dunkelziffer. Aber kein umfassendes Gesetz gegen häusliche Gewalt, nicht einmal eine klare juristische Definition.

Indes scheint Russlands Krieg gegen die Ukraine die Gewalt gegen Frauen und Familienmitglieder sogar weiter zu normalisieren.

In einer Gnose für dekoder schreibt die Theologin und Russland-Expertin Regina Elsner über die in Russland weit verbreitete Vorstellung, dass körperliche Gewalt zur Normalität gehöre, die Rolle von Staat und Kirche und die Stigmatisierung von Frauen- und Menschenrechtsorganisationen, die sich für Betroffene einsetzen.
Und gibt eine Einschätzung zur Zukunft.
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Unser Belarus-Experte Ingo Petz hat eine Flugschrift verfasst: Das Buch Rasender Stillstand. Belarus – Eine Revolution und die Folgen ist seit heute auf dem Markt.

Unter unseren Klub-Mitgliedern verlosen wir fünf Exemplare des Buches.
Wer bis zum 25. März eine E-Mail mit dem Betreff „Rasender Stillstand“ und seinen Kontaktdaten an mail@dekoder.org schickt, nimmt an der Verlosung teil!

Für alle, die noch tiefer in die Bedeutung der Massenproteste in Belarus eintauchen wollen:
Unser dekoder-Redakteur tritt im Programm der Leipziger Buchmesse auf, zusammen mit belarussischen Autor·innen wie Tania Arcimovich und Alhierd Bacharevič:

👉 https://www.leipziger-buchmesse.de/pco-sprecher/buchmesse/67c182923cbcf1fc6e0281ed
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Am morgigen Dienstag wird Alexander Lukaschenko nach den Scheinwahlen vom Januar erneut in sein Amt eingeführt.
Ausgerechnet an dem Tag, den die Opposition für sich beansprucht: Dem „Tag der Freiheit“ (Dsen Voli), in Erinnerung an die unabhängige Belarussische Volksrepublik BNR, die nur für einen kurzen Moment in der Geschichte existierte.

Mehr über die Belarussische Volksrepublik, deren inoffiziellen Feiertag Regime wie Opposition morgen auf unterschiedliche Weise begehen:

👉 https://www.dekoder.org/de/gnose/die-belarussische-volksrepublik
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Russland und das Lukaschenko-Regime treiben in Belarus aktiv die Verdrängung unabhängiger Literatur in belarussischer Sprache voran, Schriftsteller·innen im Exil hadern neben den Herausforderungen der Auswanderung damit, weiter schreiben zu können.

Auf der Leipziger Buchmesse sind in diesem Jahr zahlreiche Exil-Autor·innen vertreten, die trotzdem weitermachen: Alhierd Bacharevič, Tania Arcimovich, Julia Cimafiejeva, und viele andere.

dekoder-Autor Dsjanis Marzinowitsch hat mit der belarussischen Autorin, Übersetzerin und Literaturkritikerin Hanna Yankuta gesprochen – über das Schreiben außerhalb des Landes und die Hoffnung darauf, was die Exilliteratur in dieser Lage für Belarus tun kann:

👉https://www.dekoder.org/de/article/belarus-literatur-interview-hanna-yankuta
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Seit Monaten halten Sprengstoffanschläge die ukrainischen Sicherheitsbehörden in Atem.
Fast jeden Tag gibt es Attentate oder Versuche zu verzeichnen. Texty.org.ua hat recherchiert, wie offenbar der russische Geheimdienst meist junge Ukrainer·innen über Telegram anwirbt, Sprengsätze zu bauen und zu legen - und sie dann frühzeitig per Fernzünder explodieren lässt.

👉 https://www.dekoder.org/de/article/krieg-ukraine-aktuelle-leseempfehlungen
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Drei Jahre nach ihrer Flucht ins Exil und ein Jahr nach dem Tod von Alexej Nawalny gibt die russische Opposition ein bedauernswertes Bild ab:
Ihrer Anführer·innen liefern sich erbitterte Grabenkämpfe, ihre Anhänger·innen wenden sich ab und westliche Regierungen wissen nicht, mit wem sie über ein demokratisches Russland der Zukunft sprechen sollen.

Meduza hat mit aktiven und mit ehemaligen Aktivistinnen und Aktivisten gesprochen.
Eine zentrale Frage ist die Haltung zur Ukraine.
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Unser Belarus-Redakteur Ingo Petz hat mit dem ZOiS gesprochen: über die Revolution in Belarus im Jahr 2020 und ihre Folgen und über sein Buch, das sich eben mit den historischen Massenprotesten beschäftigt.

https://www.zois-berlin.de/publikationen/meet-the-author/demokratische-freiheit-faellt-nicht-vom-himmel
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Queere Menschen in Belarus sind in Gefahr, doch kaum jemand registriert das im allgemeinen Unterdrückungsstrudel des Lukaschenko-Regimes.

dekoder-Autorin Xenija Tarassewitsch und Aktivist Oleg Roshkow schlüsseln auf, wie nach 1991 die beginnende Liberalisierung gegenüber der LGBTQ* Community mit immer stärkeren Repressionen ersetzt wurde.

Obwohl es in Belarus – anders als Russland – offiziell kein „Propaganda“-Verbot nicht-heteronormativer Lebensformen gibt und Queers nicht als „extremistische Organisation“ einstuft werden, schätzen die Autor·innen die Lage der belarussischen LGBTQ*-Szene als schwieriger ein als in Russland – im Inland wie im Ausland.
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Was müssen wir über Belarus wissen, bevor es zu spät ist? – Darüber und über sein neues Buch Rasender Stillstand – eine Revolution und die Folgen spricht unser Belarus-Redakteur Ingo Petz im aktuellen taz-Podcast Freie Rede.
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Sollten russische Oppositionelle Geld annehmen, wenn die Herkunft und die Motive der Geldgeber·innen fragwürdig sind?

Das Exilmedium Meduza hat zusammen mit Sistema erstmals in einer umfassenden Recherche nachgezeichnet, wie und warum unterschiedliche Unternehmer politische und zivilgesellschaftliche Projekte fördern.

Eine einordnende Leseempfehlung von dekoder-Redakteur Dmitry Kartsev.
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Drei Jahre Butscha.
Ende März 2022 hat das ukrainische Militär nach 33 Tagen Besatzung die russischen Truppen aus den Kyjiwer Vororten Butscha, Hostomel und Irpin vertrieben. In den Folgetagen dokumentierten Polizei und Staatsanwaltschaft, später auch Medienvertretende aus aller Welt, was die russischen Besatzer hinterließen: Verwüstung, Zerstörung und mehr als 600 Tote allein in der Stadt Butscha, im Umkreis mehr als 1700.

Laut ukrainischer Nationaler Polizei konnten in den drei Jahren seit der Befreiung mehr als 2500 russische Soldaten identifiziert werden, die in Butscha waren. Mehr als 100 von ihnen wurden Kriegsverbrechen zugeordnet, 72 Morde seien aufgeklärt. Die Ermittlungen dauern weiter an.
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Am ersten Tag der Massenproteste in Belarus wurde die damals 19-jährige Maryja Saizawa durch Splitter einer Blendgranate getroffen und am Kopf verletzt.
Das Foto der Belarussin wurde zum Symbol für die Proteste.

Wenige Jahre später schloß sich Saizawa dem Kampf der Ukraine an – und verlor Anfang 2025 ihr Leben an der Front.

Was bringt eine junge Frau dazu, in den Krieg zu ziehen und letztlich ihr Leben zu lassen?

Der TV-Sender Nastojaschtscheje Wremja erzählt die Geschichte von Maryja Saizawa, deren Schicksal Menschen aus Belarus und der Ukraine gleichermaßen bewegt.
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Odessa, Ukraine, 2. Mai 2014: Wochen nach Euromaidan-Protesten und Krym-Annexion kommt es hier zu massiven Zusammenstößen zwischen pro-russischen und pro-ukrainischen Aktivisten. 48 Menschen sterben. Viele der Opfer sind Vertreter des Antimaidan. Die Ereignisse werden seither intensiv von pro-russischer Propaganda aufgegriffen und instrumentalisiert.

Mitte März 2025 urteilt der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte: Die Ukraine hat die Eskalation zu wenig verhindert – und Russland zu viel beigetragen.

Das ukrainische Onlinemedium Graty.me hat die Argumentation des EGMR untersucht – und durch eine detaillierte Chronik der Proteste eingeordnet:

👉 https://www.dekoder.org/de/article/ukraine-odessa-gewerkschaftshaus-gerichtsurteil

PS: Wie andere Medien ist auch die Graty-Redaktion betroffen vom Stopp US-amerikanischer Förderprogramme. Wer die Kollegen und Kolleginnen und ihre Gerichtsberichterstattung unterstützen möchte, findet hier die nötigen Details: https://graty.me/support/
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„Zone privilegierter Interessen“, „russki mir“, „nahes Ausland“ – der Kreml benutzt viele beschönigende Begriffe zur Rechtfertigung seiner systematischen Einmischung in die inneren Angelegenheiten souveräner Nachbarländer.

In seiner aktuellen Ausstellung New Fatigue legt der Fotograf Eiko Grimberg offen, wo dieser imperiale Anspruch auch an der Oberfläche bis heute sichtbar wird: an Gebäuden und in den Stadtbildern des ehemaligen Ostblocks, aber auch in öffentlichen Ritualen und Demonstrationen.

Ausstellung bis 10. Mai in der Galerie K' in Bremen, Auszug und Interview online bei dekoder hier:

👉 https://www.dekoder.org/de/article/fotografie-eiko-grimberg-nahes-ausland

Fotos: Eiko Grimberg
Bildredaktion: Andy Heller
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Die nordukrainische Ortschaft Korjukiwka musste mit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion verschiedenste Gewalterfahrungen machen. Damit steht sie stellverstretend für zahllose Orte in der Ukraine und Belarus.

Korjukiwka erlebte Massenmorde an Jüdinnen und Juden sowie Romnja und Roma, die Ermordung von Kommunist·innen und Sowjetfunktionären, die Verschleppung von Zivilist·innen zur Zwangsarbeit.

Schließlich zerstörten die Deutschen das gesamte Städtchen, töteten alle, die sie finden konnten. Sie nannten es eine „Vergeltungsaktion“ für einen Partisanenangriff. Die wenigen Überlebenden erzählen von diesen Verbrechen in

Die Aschestadt

Das ist die finale Folge unserer dekoder-Scroll-Doku über die (fast) vergessenen Opfer des Zweiten Weltkrieges auf dem Gebiet der Sowjetunion.

Wir bedanken uns herzlich für die Zusammenarbeit mit der Universität Heidelberg, die Unterstützung durch die Stiftung EVZ und bei allen, die zum Projekt beigetragen haben!
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„Stark können wir nur zusammen werden. Belarusischsein ist keine Sache einer Einzelperson, sondern die einer Gemeinschaft. Wir brauchen einander, damit jedes Jahr mehr Menschen fühlen, dass Belarus nicht nur ein Land ist, sondern ein Zuhause, das wir alle gemeinsam
bauen.”

Das Nachdenken über die eigene Identität gehört in Belarus zu den treibenden Diskursen einer Kultur, die in Geschichte und Gegenwart immer wieder unterdrückt und marginalisiert wurde und wird. Die Lyrikerin und Autorin Taciana Niadbaj fragt sich anhand ihrer
eigenen Belarusisch-Werdung in ihrem Essay für unser Projekt Spurensuche in der Zukunft mit der S. Fischer Stiftung, wie belarusische Sprache und Kultur unter den aktuellen Bedingungen von Verfolgung und Exil überleben und gestärkt werden können. Dazu
erzählt sie ihre persönliche Geschichte der Identitätsfindung:

https://www.dekoder.org/de/article/belarus-niadbaj-identitaet-kultur-zukunft
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Zwischen den Fronten erzählt eine besondere Geschichte von Verteidigungskampf und Gefangenschaft: Wassil Werameitschyk war 2020 bei den Massenprotesten in Belarus verhaftet worden, unterstützte seit 2022 die Ukraine im Kampf gegen Russlands Angriffskrieg und landete schließlich über Vietnam in belarussischer Haft.

Die Familie wendet sich mit der Bitte um Austausch an belarussische und ukrainische Behörden: „Das ist wichtig, weil die Ukraine so für die gesamte belarussische Freiwilligenbewegung ein Zeichen des Respekts setzen würde. Leider betrachten viele Ukrainer heute Belarus als Aggressor-Land. Doch an den Freiwilligen sieht man, dass unsere Völker einander nicht fremd sind und die Ukrainer auch in so einer schwierigen Lage auf die Unterstützung der Belarussen zählen können.“

Das belarussische Online-Portal Euroradio hat mit Werameitschyks Frau Jauhenija gesprochen und erzählt die tragische Geschichte ihres Mannes:

👉 https://www.dekoder.org/de/article/belarus-ukraine-freiwilliger-werameitschyk-haft
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Heute vor 39 Jahren kam es zur größten Atomkatastrophe in der Geschichte: Nahe der ukrainischen Stadt Prypjat explodierte der Reaktor-Block 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl.

Hunderte Notfall-Einsatzkräfte – vor allem die sogenannten Liquidatoren – starben unmittelbar nach der Katastrophe. Am schwersten betroffen waren die Ukraine, Russland und Belarus, auf dessen Territorium rund 70 Prozent des nuklearen Fallouts als Cäsium-137 niedergingen. Die langfristigen Folgen und die Opferzahl werden nie eindeutig bestimmbar sein.

Der russische Publizist Andrej Archangelski diagnostiziert der russischen Gesellschaft eine Unfähigkeit zu trauern – und warnt vor einem „mentalen Tschernobyl“, dem moralischen Kollaps.

Ein Archiv-Text von 2016:
👉 Der Wendepunkt
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