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Medien und Kompetenz Russland, Belarus und zum Krieg in der Ukraine - ohne Paywall

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Bewusste Kinderlosigkeit sei eine westliche „Entartung des Feminismus“: Die russische Duma arbeitet an einem Gesetz gegen die Verbreitung einer „Childfree-Ideologie“. Werbung für Verhütungsmittel oder Beratung vor dem Schwangerschaftsabbruch wären damit strafbar.
Die Verabschiedung des Verbots würde ebenso zur Diskriminierung bestimmter Menschengruppen führen, wie das bereits existierende russische Gesetz über die sogenannte „homosexuelle Propaganda“.

Für den Journalisten Anton Orech von der Novaya Gazeta ist das Gesetz krude Biopolitik: „Der Staat bestimmt, welcher Sex richtig ist und welcher nicht. Er legt fest, wer Kinder bekommen soll und wie viele. Er verbietet der Bevölkerung, nach eigenem Ermessen
über den eigenen Körper zu verfügen.“

https://www.dekoder.org/de/article/gesetz-childfree-bewegung-biopolitik
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Seit Ende der 1990er Jahre bemühen sich China und Belarus um enge bilaterale Beziehungen, seit der Wahl von Xi Jinping zum Präsidenten der Volksrepublik hat sich die Partnerschaft zwischen den beiden Autokratien deutlich intensiviert.

Doch in der Praxis sorgte die Partnerschaft auch für eine Reihe von Enttäuschungen. Wie und warum die Machthaber trotzdem aneinander festhalten, erklärt der Politikwissenschaftler Kamil Kłysiński in einer Gnose:

https://www.dekoder.org/de/gnose/belarus-china-beziehungen
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Der russische Bürgerrechtsaktivist Ildar Dadin war ein kompromissloser Gegner des Putin-Regimes. Mit Beginn des Angriffskrieges entschied er sich für den bewaffneten Kampf an der Seite der Ukraine gegen die Invasoren.
Anfang Oktober 2024 ist er gefallen.

Nach Bekanntwerden von Dadins Tod schrieb der renommierte russische Journalist Andrej Loschak einen kurzen Nachruf auf Facebook, der eine heftige Diskussion auslöste.

dekoder dokumentiert den umstrittenen Beitrag:

https://www.dekoder.org/de/article/ildar-dadin-gefallen-ukraine
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Die belarussische Flagge an Hauswänden, Architektur im Umriss des Landes, Propagandaschulbücher definieren „Volksfeinde“, dazu ein neuer Nationalfeiertag:
In Belarus baut das Regime mit Hochdruck an einer „neuen Realität“.

Die belarussische Journalistin Katerina Truchan beschreibt die ideologischen Baumaßnahmen Lukaschenkos seit den Massenprotesten im Jahr 2020:

👉 https://www.dekoder.org/de/article/belarus-ideologie-machtapparat
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Jakutien ist eine Republik weit im Norden Russlands.
Vor rund zehn Jahren haben dort mehr als 200 Dörfer beschlossen, dass es in ihren Läden weder Bier noch Wodka zu kaufen geben soll: Um den Alkoholismus zu bekämpfen und Straftaten unter Alkoholeinfluss vorzubeugen.

Wie gut das bisher funktioniert und wie es sich in den „trockenen“ Dörfern im Osten Russlands lebt, hat Takie Dela in einer Fotoreportage festgehalten.
Gefallene russische Soldaten werden häufig auf dem Schlachtfeld zurückgelassen.
Weil das Bergen zu gefährlich ist, um die Statistik zu schönen oder um Geld zu sparen:

Gibt es keine Leiche als Beweis für den Tod eines Soldaten, heißt das für die betroffenen Familien oft: keine finanzielle Entschädigung.
Für die betroffenen Einheiten: kein Truppennachschub.
Für den russischen Staat: optimistischere Statistik.


Um ihre Ansprüche geltend zu machen, ziehen Angehörige wie Kommandeure in Russland immer häufiger vor Gericht.
Kindern eine Auszeit vom Krieg bieten:
Das will Belarus angeblich – und holt immer wieder ukrainische Kinder aus den von Russland besetzten Gebieten ins Land.

Den Transfer der Kinder in die ferienlagerähnlichen Einrichtungen beschreiben staatliche Medien oft wie eine „magische Reise ins Märchenland“. In Belarus angekommen, werden einige Kinder dann in Propagandasendungen vorgeführt .

Wie belarussische Medien ukrainische Kinder für russische Propaganda instrumentalisieren und damit retraumatisieren:

https://www.dekoder.org/de/article/ukraine-verschleppte-kinder-propaganda
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Anfang 2025 sollen in Belarus Präsidentschaftswahlen stattfinden – und das, obwohl Lukaschenkos derzeitige Amtszeit nach den gefälschten Wahlen von 2020 offiziell erst im Juli 2025 endet.

Gegenkandidaten gibt es nicht, Protest ist de facto unmöglich, die Wahl wird mehr Inszenierung als Realität: Warum also hat es das Regime so eilig?

Der Journalist Alexander Klaskowski erläutert mögliche Motive.
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Als Wagner-Chef Prigoshin im Sommer 2022 damit begann, Häftlinge für den Krieg in der Ukraine anzuwerben, gab es dafür noch keinen rechtlichen Rahmen. Wladimir Putin musste jeden Verurteilten per Geheimdekret begnadigen.
Eine Gesetzesreform vom September vereinfacht das Verfahren: Jetzt ist es möglich, in jedem Stadium eines Strafprozesses den Ausweg an die Front zu wählen. Sogar noch bevor Anklage erhoben wurde.

Fast jeder Dritte entscheidet sich für den Krieg.
Die Novaya Gazeta Europe hat mit Häftlingen, Anwälten und Polizisten gesprochen. Wie die Rekrutierung abläuft und wer davon profitiert steht in ihrem Bericht:

https://www.dekoder.org/de/article/rekrutierung-gefangene-strafprozess
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Am Morgen des 24. April 1942 treiben bewaffnete SS-Leute die Bewohner·innen des westrussischen Alexandrowka bei Smolensk zum Dorfteich. ca. 200 von 300 behalten sie da – weil sie Roma sind.
Die Männer müssen Gruben ausheben. Die Frauen müssen sich ausziehen. Die deutschen Offiziere mustern die Körper der Frauen und entscheiden, wer leben darf und wer nicht. Lidija Krylowa soll sterben.
In der sechsten Folge von „Der Krieg und seine Opfer“ folgen wir der Kolchosbäuerin Lidija Krylowa durch ein nationalsozialistisches Massaker an Rom·nja in der Sowjetunion. Selten ist ein Fall so detailliert dokumentiert wie jener in Alexandrowka.

Sechste Folge: Nur weil sie Roma sind
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Viktor Schkurenko ist einer der reichsten Männer Sibiriens. Er sagt offen, dass er den Krieg für einen Fehler hält und lädt kritische Künstler zu seinen Firmenfeiern ein. Viele glauben, er habe mächtige Beschützer im Staatsapparat. Er sagt, er halte sich einfach an die Gesetze.
Das Journal Holod porträtiert den ungewöhnlichen Unternehmer aus Omsk.

https://www.dekoder.org/de/article/schkurenko-milliardaer-gegen-krieg
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Eine heroische Vergangenheit als Ersatz für eine strahlende Zukunft: Das Lukaschenko-Regime bastelt an einer ganz eigenen Erinnerungskultur für Belarus. Dazu gehören ein Personenkult um Alexander Lukaschenko und die Erzählung der gesamten Geschichte des Landes als die eines „Unionsstaates“ zusammen mit Russland.

Der Politikwissenschaftler Waleri Karbalewitsch analysiert die einzelnen Erzählstränge:

https://www.dekoder.org/de/article/belarus-geschichtspolitik-lukaschenko-regime
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In jedem Krieg gibt es Tod und Zerstörung. Aber dieser Krieg fühlt sich wirklich wie ein Angriff auf die ukrainische Identität und ihre Geschichte an.


Die Fotojournalistin Nicole Tung hat über den Arabischen Frühling berichtet und aus Syrien. Das Besondere am Krieg in der Ukraine sei auch, wie Artillerie aus dem Zweiten Weltkrieg und modernste Drohnen gleichzeitig im Einsatz seien, sagt sie. In einem Frontlazarett hat Tung miterlebt, wie ein Soldat sein Bein verlor, weil er nicht rechtzeitig aus dem Kampfgebiet geborgen werden konnte:

https://www.dekoder.org/de/article/nicole-tung-fotografie-krieg-ukraine


Fotografin: Nicole Tung
www.nicoletung.com
Bildredaktion Andy Heller
www.andy-heller.de
Heute vor vier Jahren starb der belarussische Künstler Roman Bondarenko.
Eine Gruppe maskierter Männer hatte ihn am Tag zuvor in einem Hinterhof in Minsk zusammengeschlagen.

Bis heute ist der Fall nicht aufgeklärt, weil die Behörden – im Gegensatz zu belarussischen Medien – angeblich keine Tatverdächtigen ausfindig machen konnten.
Für die Protestbewegung von 2020 wurde er zu einem wichtigen Symbol:

👉 https://www.dekoder.org/de/article/bondarenko-minsk-belarus-platz-des-wandels (aus unserem Archiv)
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Wir haben uns eingemischt. Wir mischen uns ein. Wir werden uns einmischen.

Das ist Margarita Simonjans provokante Antwort auf Vorwürfe, Russland verbreite über Staatsmedien auch im Westen Desinformation.

Die Chefin der staatlichen Medienholding Rossija Sewodnja und des Auslandssenders RT zelebriert bei jeder Gelegenheit ihre Verachtung für den Westen, den sie einst als Austauschschülerin in den USA kennenlernte.

Die steile Karriere der talentierten Nachwuchsjournalistin aus einfachem Hause begann vor 20 Jahren mit einer Lüge im staatlichen Auftrag.
Kein Einzelfall in Belarus:

Der Vater von Daniil, Marija und Wanja befindet sich in der belarussischen Strafkolonie IK-2 in Bobruisk. 15 Jahre hat er insgesamt vor sich. Weil er mit einer Gruppe in Verbindung gebracht wird, die regimekritische Street-Art-Proteste organisierte.

Doch nicht nur ihr Vater ist im Repressionssystem gefangen. Zusammen mit ihrer Mutter sind auch die drei Kinder ins Visier der Sicherheitsbehörden geraten.
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